Zielplanung (SZIEL)

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Lernziele

Sie kennen den Zweck der strategischen Zielplanung und den Unterschied zwischen strategischen Zielen des Informationsmanagements und strategischen IT-Zielen. Sie können den Zielcharakter und seine Merkmale erläutern. Sie kennen die Quellen strategischer IT-Ziele und können deren Zielinhalt beschreiben. Sie kennen Vorgehensweisen der strategischen Zielplanung und die Probleme beim Festlegen des Zielmaßstabs. Sie kennen die Bedeutung von IT-Leitbildern für die strategische IT-Planung und exemplarisch deren Inhalt.

Definitionen und Abkürzungen

  • Bottom-up-Ansatz (bottom-up approach) = Vorgehensweise bei Analyse, Entwurf, Testen usw., bei der mit den Systemteilen begonnen wird, die sich auf der untersten Ebene des hierarchisch gegliederten Systems befinden. Im Gegensatz dazu: Top-down-Ansatz.

  • Formalziel (goal) = Ziel, dessen Zielinhalt die Qualität oder Güte beschreibt, mit der ein Sachziel verfolgt werden soll (Wie soll ein Zweck erreicht werden?).

  • Handlungsspielraum (action scope) = mehrdimensionaler Begriff, der Entscheidungsspielraum, Tätigkeitsspielraum und Freiheitsspielraum umfasst.

  • KPI = Key Performance Indicator.

  • Leistung (performance) = Fähigkeit eines Systems, eine bestimmte Aufgabe in vorgegebener Zeit erfüllen zu können (Aufgabenerfüllung pro Zeiteinheit).

  • MTBF = Mean Time Between Failures (mittlerer Zeitabstand zwischen zwei Ausfällen); Maßeinheit für Verfügbarkeit (üblicherweise in Tagen oder Monaten).

  • MTTF = Mean Time To Failure (mittlere Zeitdauer bis zu einem Ausfall); Maßeinheit für Verfügbarkeit (üblicherweise in Stunden).

  • Nutzen (benefit) = subjektiv beeinflusster Wert einer Handlungsalternative zur Befriedigung eines definierten Bedarfs. Synonym: Nutzwert.

  • operational (operational) = Eigenschaft einer Handlungsanweisung, so formuliert zu sein, dass sie von den für sie bestimmten Adressaten befolgt werden kann.

  • Sachziel (objective) = Ziel, dessen Zielinhalt einen Zweck definiert (Was soll erreicht werden?).

  • strategisches IT-Ziel (strategic IT objective) = Ziel, das die langfristige, unternehmensweite und den Wettbewerb positiv beeinflussende Veränderung der IT lenkt.

  • Ziel (objective) = angestrebter Endpunkt eines menschlichen Handlungsprozesses.

  • Zielbeziehung (goal relation) = Tatsache, dass die Erfüllung eines Ziels die Erfüllung eines anderen Ziels beeinflusst.

  • Zielhierarchie (goal hierarchy) = stufenmäßig aufgebaute Ordnung der Elemente eines Zielsystems in Form einer Rangordnung mit von oben nach unten abnehmender Bedeutung.

  • Zielplanung (goal setting) = Prozess des Festlegens (Setzens) von Zielen nach Inhalt, Maßstab, Ausmaß der Zielerreichung und zeitlichem Bezug.

  • Zielsystem (goal system) = geordnete Menge von Zielen, zwischen denen Beziehungen bestehen, die idealtypisch gesehen komplementär, konfliktär oder indifferent sind.

Zweck der strategischen Zielplanung
Zielsystem und Zielhierarchie
Zielcharakter
Vorgehensweise bei der Zielplanung
IT-Leitbilder

Forschungsbefunde

Empirische Untersuchungen bringen so gut wie keine Erkenntnisse bezüglich der strategischen IT-Ziele, die in der Praxis verfolgt werden. Selig hat beispielsweise nur festgestellt, dass seitens der Unternehmensleitung keine aktive Gestaltung des Pla­nungsprozesses erfolgt und dass keine Zie­le und Randbedingungen vorgegeben werden. Heinrich/Sterrer haben über empirisch ermittelte IT-Ziele berichtet; Ansätze für strategische Vorgaben zu diesen administrativen Zielen (insbesondere Ziele für IT-Projekte) konnten nicht identifiziert werden.
Selig, J.: EDV-Management – Eine empirische Untersuchung der Entwicklung von Anwendungssystemen in deutschen Unternehmen. Berlin et al. 1986
Heinrich, L. J. / Sterrer, G.: Ziele von Informationssystemen – Ergebnisse einer empirischen Studie. In: Information Management 1/1987, 48–53


Selig stellt berichtet über Befunde zur strategischen IT-Planung, insbesondere Zielplanung, u. a. (schriftliche Befragung, N = 33, Erhebungszeitraum 1982): Seitens der Unternehmensführung erfolgt keine aktive Gestaltung des Planungsprozesses, Ziele und Randbedingungen werden nicht vorgegeben Was festgestellt wird sind „EDV-Rahmenpläne“ (in 21 Unternehmen), die nicht nur eine strategische Orientierung vermissen lassen, sondern die auch bezüglich des Zeithorizonts eher einen mittelfristigen Charakter haben. Die Unternehmensführung ist in diese Planung nicht ausreichenden involviert. Ein formaler Planungsprozess ist nicht erkennbar.
Selig, J.: EDV-Management – Eine empirische Untersuchung der Entwicklung von Anwendungssystemen in deutschen Unternehmen. Berlin et al. 1986


Heinrich/Sterrer berichten über empirisch ermittelte Ziele der Systementwicklung u. a. (Interviewmethode, N = 12 EDV-Leiter in zwölf Unternehmen in Oberösterreich, Erhebungszeitraum 1985): Allgemein akzeptierte Formalziele sind Akzeptanz, Benutzerfreundlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit; Ziele wie Aufgabenbezogenheit und Produktivität werden kaum verwendet. Die Definition des Zielmaßstabs ist sehr unterschiedlich – sogar beim Ziel Wirtschaftlichkeit. Nachfragen nach den verwendeten Messmethoden lassen erkennen, dass es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass die genannten Ziele im Sinne einer Controlling-Konzeption tatsächlich geplant und zur Überwachung uns Steuerung der Anwendungssysteme verwendet werden. Insgesamt vermitteln die Befunde den Eindruck, dass der Stand der Zielplanung und der Überwachung und Steuerung der Anwendungssysteme nach dieser Zielplanung sehr gering ist. Ansätze für strategische Vorgaben zu diesen administrativen Zielen (z. B. Ziele für IT-Projekte) konnten nicht identifiziert werden.
Heinrich, L. J. / Sterrer, G.: Ziele von Informationssystemen – Ergebnisse einer empirischen Studie. In: Information Management 1/1987, 48-53


Wallau hat mit einer empirischen Untersuchung (schriftliche Befragung von 51 Benutzern in einem örtlich verteilten Unternehmen, Befragungszeitraum nicht angegeben, vermutlich 1989) die Akzeptanz der Benutzer in Bezug auf ein bestimmtes Informationssystem (ISP = Informationssystem Produktion) erhoben und u. a. festgestellt (hinter jedem Kriterium der Anteil der Ja/Nein-Antworten; die Differenzen zu 100 % ergeben sich aus fehlenden Urteilen): Arbeitserleichterung 72,5 %/7,8 %, Zeitersparnis 64,7 %/13,7 %, geringere Fehlerhäufigkeit 41,2 %/ 11,8 %, höhere Datenaktualität 80,4 %/3,9 %, besserer Einblick in andere betriebliche Bereiche 33,3 %/0, bessere Zusammenarbeit mit anderen betrieblichen Bereichen 33,3 %/0. Trotz guter Ergebnisse besteht Handlungsbedarf für Akzeptanz fördernde Maßnahmen, die sich durch eine Verbesserung von Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit bemerkbar machen würden.
Wallau, S.: Akzeptanz betrieblicher Informationssysteme – eine empirische Untersuchung. Arbeitsberichte zur Wirtschaftsinformatik der Universität Tübingen 2/1990


Schellhaas/Schönecker kommen nach empirischen Untersuchungen (Forschungsprojekt Bürokommunikation) zu der Aussage, dass Bürokommunikation zunächst als Pilotprojekt in einem relativ abgeschlossenen und kommunikationsintensiven Anwendungsgebiet erprobt werden soll; ein solches Anwendungsgebiet kann mit einer Kommunikationsanalyse bestimmt werden. Ein Pilotprojekt lässt sich nicht mit einer Wirtschaftlichkeitsanalyse rechtfertigen, sondern erfordert eine strategisch ausgerichtete Technologieeinsatz-Entscheidung, die sich insbesondere an der Wirksamkeit als Auswahlkriterium orientiert.
Schellhaas, H. / Schönecker, H. G.: Kommunikationstechnik und Anwender. München 1993


Heinrich/Pomberger berichten über Befunde der wissenschaftlichen Begleitbeobachtung von Projekten, in denen die Erfolgsfaktorenanalyse verwendet wurde, bezüglich der strategischen IT-Ziele u. a. (drei Fallstudien mit Aktionsforschung, Untersuchungszeitraum 1998/1999): Die Bedeutung des Zielinhalts Durchdringung nimmt wegen des bereits sehr hohen Durchdringungsgrads deutlich ab. Soweit inhaltliche Bedeutung noch gegeben ist, besteht eine Überschneidung mit dem Zielinhalt von Wirksamkeit. Weiter konnte festgestellt werden, dass die Verwendung von Qualität als genereller Inhalt der Formalziele nicht immer ausreicht, um das explizite Qualitätsstreben der Unternehmensführung auch für die IT-Infrastruktur so zum Ausdruck zu bringen, dass es sich letztlich in den Maßnahmen zur ihrer Veränderung niederschlägt. Von diesem Befund ausgehend ist zu prüfen, ob die Verwendung von Qualität statt von Durchdringung als Zielinhalt zu einem wirklichkeitsnäheren Zielsystem führt.
Heinrich, L. J. / Pomberger, G.: Erfolgsfaktorenanalyse – Instrument für das strategische IT-Controlling. In: HMD 217/2001, 19-28


Mertens stellt fest, dass Ökonomie in der (kapitalistischen) Marktwirtschaft für das Unternehmen Rentabilitätsmaximierung bedeutet und dass sich Wirtschaftlichkeits- und Rentabilitätsmaximierung nicht decken. So genannte Ingenieurziele (z. B. Kostenminimierung, Maximierung der Kapazitätsauslastung) seien theoretisch nur haltbar, wenn zahlreiche Ceteris-Paribus-Klauseln gelten; bei ihrer Verwendung in der Wirtschaftsinformatik sei große Vorsicht geboten.

Mertens, P.: Operiert die Wirtschaftsinformatik mit falschen Unternehmenszielen? In: Becker, J. et al. (Hrsg.): Wissenschaftstheorie und Wirtschaftsinformatik. Wiesbaden 1999, 379-392


Aus der Erfahrung mehrerer Anwendungen der Erfolgsfaktorenanalyse empfehlen Heinrich/Pomberger die Verwendung des Gesamterfolgs als strategisches IT-Ziel, in das – je nach Definition der Erfolgsfaktoren – sowohl wirksamkeits- als auch wirtschaftlichkeitsrelevante Eigenschaften der IT-Infrastruktur eingehen. Wesentlicher Vorteil gegenüber anderen Zielinhalten ist die Quantifizierbarkeit des Gesamterfolgs.

Heinrich, L. J. / Pomberger, G.: Erfolgsfaktorenanalyse – Instrument für das strategische IT-Controlling. In: HMD 217/2001, 19-28

Aus der Praxis

Methodenverweise

Kontrollfragen

  1. Wodurch sind Ziele, Zielsysteme und Zielhierarchien gekennzeichnet?

  2. Durch welche Zielkategorien können IT-Ziele systematisiert werden?

  3. Welche strategischen IT-Ziele im Sinne von Formalzielen werden unterschieden?

  4. Wie kann der Zielmaßstab für strategische IT-Ziele festgelegt werden?

  5. Mit welchen Arbeitsschritten wird bei der strategischen Zielplanung vorgegangen?

Quellen

  • Brynjolfsson, E.: Beyond the productivity paradox. In: Communications of the ACM 8/1998, 49-55

  • Brynjolfsson, E.: The productivity paradox of information technology. In: Communications of the ACM 12/1993, 66-77

  • Byrd, T. / Turner, D.: An exploratory eximination of the relationship between flexible IT infrastructure and competitive advantage. In: Information & Management, 1/2001, 41–49

  • Ernst & Young (Hrsg.): IT-Kosten und IT-Performance 2002 – Betriebswirtschaftliche Studie der Schweizer Informatikabteilungen. Bern 2002

  • Heinrich, L. J. / Pomberger, G.: Erfolgsfaktorenanalyse - Instrument für das strategische IT-Controlling. In: HMD - Praxis der Wirtschaftsinformatik 217/2001, 19-28

  • KPMG (Hrsg.): IT-Management 2005. Standortbestimmung und Trends in der Schweizer Informatik. "http://www.kpmg.ch/RIM;"; Abruf: 14.4.2008

  • Mertens, P.: Operiert die Wirtschaftsinformatik mit falschen Unternehmenszielen? - 15 Thesen. In: Becker, J. et al. (Hrsg.): Wirtschaftsinformatik und Wissenschaftstheorie: Bestandsaufnahme und Perspektiven. Wiesbaden 1999, 379-392